Meerschweinchen und Kaninchen

Bis heute hält sich das Gerücht hartnäckig, dass die Haltung eines Meerschweinchens zusammen mit einem Kaninchen problemlos möglich ist. Hier soll kurz aufgezeigt werden, warum diese Behauptung falsch ist!

Unterschiede zwischen Kaninchen und Meerschweinchen

Kaninchen Meerschweinchen
erhöhter Platzbedarf, sitzen gerne erhöht, um die Übersicht über die Umgebung zu haben, buddeln gerne Fluchttiere, die sich gerne in Unterschlüpfe zurückziehen, unsicher auf weitem, offenem Gelände
Nesthocker Nestflüchter
dämmerungs- und nachtaktiv tag- sowie nachtaktiv
Ruhephase am Tag mehrere, verteilte, unregelmäßige Ruhephasen
verständigen sich zum Großteil durch ihre Körpersprache kommunizieren über eine vielfältige Lautsprache miteinander (Stimmfühlungslaute)
kuscheln sehr viel miteinander und putzen sich gegenseitig, was den Gruppenverband festigt Sicht- und Schnupperkontakt sind ausreichend, gekuschelt wird nur bei Kälte, Unsicherheit oder Angst
genervt durch die hohen Quietschlaute des Meerschweinchens genervt durch die körperlichen Annährungsversuche des Kaninchens
Zähnemahlen als Ausdruck der Zufriedenheit Zähneklappern als Drohgebärde
schieben den Kopf unter den Kopf des Artgenossen, um Zuwendung zu erhalten heben den Kopf um Dominanzverhalten zu zeigen
bilden Vitamin C selbst, zusätzliche Zufuhr kann zu schwerem Durchfall führen können Vitamin C nicht selbst bilden, benötigen eine zusätzliche Zufuhr über die Nahrung

Beide Tierarten fühlen sich nur im Rudel wohl und müssen in der Lage sein, ihr Sozialverhalten ausleben zu können, weshalb ein ARTGLEICHER PARTNER unabdingbar ist!

Werden Meerschweinchen und Kaninchen zusammen gehalten ergeben sich unter Umständen – neben fehlenden Sozialkontakten – noch weitere Probleme!

Gefahren der gemeinsamen Haltung

  • Kaninchen sind ca. 1,5 mal so groß wie Meerschweinchen und können diese beim Spielen schwer verletzen, wenn sie beim Umherspringen auf den Schweinchen landen.
  • Durch die vielen Unterschiede in der Kommunikation können Missverständnisse zu Aggression und Stress führen.
  • Kaninchen berammeln aus Sexualtrieb oder Dominanzgehabe ihre Artgenossen – Beim körperlich unterlegenen Meerschweinchen kann es dabei zu Rippenbrüchen kommen.
  • Um den Eisprung bei der Kaninchen-Dame auszulösen, führt der Rammler den sogenannten Nackenbiss aus – Dies kann ein Meerschweinchen schwer verletzen und ihm im schlimmsten Falle sogar das Genick brechen.
  • Kann ein Tier sein normales Verhaltensrepertoire durch einen fehlenden Sozialpartner nicht vollständig ausführen, kann es zu Verhaltensstörungen kommen (Beknabbern der Einrichtung, Selbstverletzung, Ausreissen von Fell, Lethargie, Zwangsbekuscheln/-putzen, Käfigkoller, … ).

Eine gemeinsame Haltung beider Tierarten ist nur mit Vorsicht, jeweils mindestens einem Sozialpartner der gleichen Art und ausreichend Platz (mehrere Quadratmeter) möglich!

In gemeinsamer Haltung sollten die Tiere genau beobachtet werden, wie sie miteinander umgehen. (Schein-) Schwangere Kaninchendamen können äußerst aggressiv reagieren, auch wenn diese zuvor umkompliziert waren. Genauso können Meerschweinchen sich mit heftigen Bissen zur Wehr setzen. Des Weiteren sollte für die Meerschweinchen ein abgetrennter Stallbereich zur Verfügung stehen, den nur sie betreten können, um sich im Fall der Fälle sicher zurückziehen zu können.

Eine gute Kenntnis der Körper- und Lautsprache der Tiere ist von Nöten, um beurteilen zu können, ob das Zusammenleben der beiden Tierarten wirklich funktioniert. Gerade das Verhalten von Meerschweinchen und Kaninchen wird von vielen Haltern
häufig fehlinterpretiert.

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