„Züchter“, „Hobbyzüchter“ und „Vermehrer“

In Zeiten von ebay-Kleinanzeigen ist es einfach Abnehmer für Tiere zu finden, weshalb sich Vermehrer denken, hier schnelles Geld mit Kleintieren verdienen zu können. Mitunter bezeichnen sie sich dabei gerne als „Züchter“, obwohl sie bei ihren „Nachzuchten“ alles andere als zielgerichtet vorgehen. Hier sollen Unterscheidungskriterien aufgezeigt werden, woran man einen echten Züchter von einem Vermehrer unterscheidet und warum man letztere nicht unterstützen sollte!

Zucht und Zuchtziel

„Warum züchten hier so viele Meerschweinchen? Es gibt doch schon genügend arme Schweine im Tierheim, die sich ein tolles Zuhause wünschen. Da muss doch nicht ständig nachproduziert werden.“ – Userin aus einer Facebook-Gruppe

Dieses Zitat zeigt, dass oftmals das Verständnis fehlt, was „Zucht“ eigentlich bedeutet. Mit einfacher Produktion von Tieren, geschweigedenn Geldverdienen hat das nämlich rein gar nichts zu tun. Ein Züchter verfolgt in aller Regel ein Zuchtziel. Das bedeutet, dass die Merkmale einer bestimmten Rasse, Wirbelung, Zeichnung, Farbe perfekt herausgearbeitet werden sollen. Da es sehr viele Variationen gibt, beschränkt sich ein Züchter meist auf ein bis zwei Rassen in ein paar wenigen Farben (z.B. Rexe und US-Teddys in rot, rot-weiß, safran und himalaya). Dass die Tiere gesund (und nicht nur schön) und gut gepflegt sein sollen, sollte hier eine Selbstverständlichkeit sein. Man sollte misstrauisch sein, wenn man „beim Züchter vom Peruaner bis zur Rosette alles in bunten Farben und tollen Scheckungen bekommt“.

Damit das Zuchtergebnis auch dem Zuchtziel entspricht, werden Verpaarungen geplant und auch nur Tiere eingesetzt, deren Genetik bekannt ist. Natürlich gibt es dabei auch Nachwuchs, der nicht zu 100% den Erwartungen entspricht. Diese Tiere werden dann oft an Liebhaber abgegeben. Die Tiere haben an sich keinen Makel, eine Zucht mit ihnen, würde den Züchter seinem Zuchtziel nicht näher bringen, weshalb sich in der Regel um einen guten Endplatz bemüht wird. Insofern kann der Züchter mit guter Vorüberlegung „sinnlose Vermehrung und Testläufe“ vermeiden. Zur besseren Vernetzung und Erfahrungsaustausch sind viele Züchter auch Mitglied in einem Verein wie z.B. „Meerschweinchenfreunde Bundesverband Deutschland e.V.“

Zusammenfassung

  • Ein Züchter hat immer ein Zuchtziel und beschränkt sich dabei auf wenige Rassen und Farben!
  • Nachzuchten werden geplant und sind auf das Zuchtziel ausgerichtet!
  • Die Genetik der Zuchttiere ist bekannt.
  • Tiere, mit denen nicht weiter gezüchtet werden sollen, werden in gute Endstellen vermittelt! Böckchen im Idealfall dann auch kastriert.
  • Im Regelfall sind die Tiere gesund und haben keine Defekte und Schäden. Da man aber nicht „in die Tiere reinschauen“ kann, gibt es keine Garantie. Die Abgabe erfolgt augenscheinlich gesund. Kranke Tiere werden nicht abgegeben.
  • Ein Züchter zeigt seine Zucht! Sei es Besuchern vor Ort oder sogar mit einer Webseite im Internet.
  • Züchter stellen sich den Fragen, die Interessenten haben und weichen ihnen nicht aus.
  • Kein Züchter gibt Tiere in Einzelhaltung oder als Partner zu Kaninchen ab.

Vermehrer und Hobbyzüchter

„ICH GEBE JUNGE MEERSCHWEINCHEN AUS HOBBY ZUCHT AB. alle gesund und munter. rosetten Böcke. Es sind alle gesund und leben in außenhaltung. Bei Interesse einfach per Telefon oder Nachricht schreiben Die Preise: 3 männchen Stück 8€ stehen zur Abgabe bereit. sind jetzt 4-5 wochen alt.“ – Anzeige auf ebay-Kleinanzeigen

Im Gegensatz zum Züchter fehlt dem Vermehrer das Zuchtziel. Tiere werden vermehrt, um sie gewinnbringend verkaufen zu können. Gesundheit und Vitalität oder der Erhalt bzw. die Perfektion einer Rasse sind hier unwichtig. Hier geht es schlichtweg um Masse. Das geht dabei oft auf Kosten der Tiere. Um genügend Nachwuchs produzieren zu können, werden Weibchen viel zu früh trächtig und werden nach der Geburt quasi sofort nachgedeckt, da auf Geschlechtertrennung oftmals auch keinen Wert gelegt wird. Weil man die Genetik außer Acht lässt, wird auch nicht auf vererbbare Krankheiten wie z.B. Zahnfehlstellungen geachtet. Letztendlich leiden die Tiere darunter, dass der Vermehrer möglichst schnell Gewinn einstreichen möchte.

Die Grenze zwischen Züchtern und Hobbyzüchtern ist fließend. Viele Hobbyzüchter haben unter Umständen ebenfalls Kenntnisse im Bereich Genetik, haben aber nicht so viele Würfe im Jahr oder ihnen fehlt das Zuchtziel. Meist werden auch eher Mixe mit exotischem Aussehen herangezogen als reinrassige Tiere. Die Haltung der Tiere ist meist besser als beim typischen Vermehrer, dem die Gesundheit der Tiere völlig egal ist. Trotz allem werden hier unnötig Tiere vermehrt, die unter Umständen nicht alle einen guten Endplatz finden und deshalb meist sehr günstig angeboten werden. Die Preise wiederum verführen zu Spontankäufen und locken Reptilienhalter an, die die Tiere letztendlich verfüttern. Auch werden Böckchen nicht kastriert abegegeben, da dies den Verkaufspreis hochtreiben würde, möchte man als Hobbyzüchter noch Gewinn machen.

Der Vergleich

Züchter Hobbyzüchter Vermehrer
ein Zuchtziel (Rasse und Farbe) wird angestrebt „bunte, schöne Tiere“, die Genetik ist egal hauptsache Masse
die Genetik der Tiere ist wichtig die Genetik der Tiere ist nicht wichtig, Optik entscheidender Genetik und Optik sind egal
unnötige Verpaarungen werden vermieden Verpaarungen passieren zum Teil einfach „Produktion“ zu Lasten der Tiere
die Elterntiere einer Nachzucht sind bekannt und dokumentiert die Elterntiere sind zum Teil bekannt, oft aber undokumentiert die Elterntiere sind unbekannt, falls mehrere Tiere zusammen sitzen
die Abgabe erfolgt mit Stammbaum Abgabe ohne Stammbaum Abgabe ohne Stammbaum
die Abgabe erfolgt mit Schutzvertrag Abgabe ohne Schutzvertrag Abgabe ohne Schutzvertrag
die Anlage, wo die Tiere leben, kann besichtigt werden die Anlage kann manchmal besichtigt werden Besucher sind nicht erwünscht
die Tiere sehen gesund sauber und entspannt aus, Rassetiere die Tiere sind sauber, eine klare Rasse oder Farbe ist nicht erkennbar die Tiere sind meist zu dünn, verdreckt, krank, man appelliert an das Mitgefühl der Käufer
höhere Preise, um Verpflegung und medizinische Versorgung (Kastration) zu decken mittlere Preise z.T. Schleuderpreise, der Gewinn kommt über die Masse
Abgabe erfolgt in der Regel nur nach Platzkontrolle oder regem Austausch Abgabe nach kurzem Gespräch, in der Regel keine Platzkontrolle kein Interesse am Verbleib der Tiere, Übergaben meist in der Öffentlichkeit

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